Zur Zeit bereite ich mich auf eine intensive Grafik-Projekt-Woche vor. Neben Fotografie, Zeichnung und Kindergekritzel werde ich auch Grafikprogrammierung in meine Arbeit einbringen. Dafür habe ich eine Linienmaschine programmiert, die zufällige Linien zeichnet.

Die erste Variante dieser Linienmaschine zeichnet Linien mit zufälligen Start- und Endpositionen. Diese Positionen können auch außerhalb der Zeichenflächen liegen, weil sich sonst die Linien eher im Zentrum des Zeichenblattes befinden und kaum am Rand. Die Linien werden in unterschiedlicher Strichstärke und Helligkeit gezeichnet, der Farbton bleibt (vorerst) gleich. Auf diese Weise entsteht im dichten Netz der Linien räumliche Tiefe.

Beispiele 1: Verschiedene Phasen der Überlagerung. Die Bilder wechseln automatisch, mit Klick aufs Bild gehts schneller.

Eine zweite Variante dieser Linienmaschine generiert die Linien nicht mehr gleichverteilt, sondern zeichnet einige Linien mit geringfügigen Abweichungen in einen Zeichenblattbereich, wählt anschließend einen neuen Bereich und zeichnet das nächste Bündel von Linien. Auf diese Weise entstehen am Blatt grafische Schwerpunkte und leere Bereiche. Wiederholt man den Vorgang oft, wird wieder das ganze Zeichenblatt gefüllt, aber die Schwerpunkte bleiben spürbar. Die Anzahl der Linien pro Bündel variiert nach exponentieller Zufallsverteilung, das heißt es werden öfter Bündel mit nur wenigen Linien gezeichnet und seltener Bündel mit vielen (etwa 100) Linien. Das halte ich für ästhetisch sinnvoll als Ausgleich zwischen Spannung/Ruhe bzw. Dichte/Transparenz. Die Linienmaschine speichert jeden Zwischenstand als Bild ab, die dazugekommen Linien werden extra gespeichert. Damit kann ich ein Kompositum auch als Druckgrafik mit mehreren Druckplatten erzeugen.

Beispiele 2: Gebündelte Linien erzeugen bessere Schwerpunkte.

Die Herausforderung bei dieser Art von Grafikprogrammierung ist, ästhetische Vorstellungen programmiertechnisch umzusetzen und das Programm Linienmaschine so lange zu modifizieren, bis die Ergebnisse meinen Vorstellungen entsprechen. Auf dem Weg dorthin kann ich meine ästhetischen Konzepte erweitern, weil immer wieder Ergebnisse auftreten, mit denen ich nicht gerechnet habe.

Die Linienmaschine kann man immer wieder mit einem leeren Zeichenblatt neu starten und es werden jedesmal andere Linien gezeichnet, der ästhetische Duktus bleibt gleich, die generierten Bilder gehören zusammen und sind auch als zusammengehörig erkennbar.

Die Linienmaschine programmiere ich wie die meisten meiner audiovisuellen Softwareprojekte mit MaxMSP/Jitter.