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Ich drucke Dinge, die man nicht braucht.

Seit ein paar Wochen drucke ich 3D. Rapid Prototyping nennt man das, in dem Sinne, dass man (relativ) schnell Prototypen drucken kann. Serien exakt gleich reproduzierbarer Dinge sind mit meinem Druckermodell angeblich (noch) nicht möglich.

Gekauft habe ich einen Mendel Prusa I3, das ist ein Selbstbausatz für einen reprap-Drucker bestehend aus dem Open-Source-Prozessor Arduino, den elektronischen Bauteilen, Motoren, Kabeln, Netzteil für die Stromversorgung und dem Gerüst für den Drucker. Eine Anleitung in Bildern zum Zusammenbau gibt es im Internet. Nach dem Löten der Elektronik, dem Gerüstbau und der Montage der Motoren und der Heizplatte war die größte Herausforderung die Kalibrierung der drei Achsen und des Materialeinschubs. Mit Hilfe eines Chat-Forums und scharfer Fehleranalyse konnte ich die Kalibrierung fertig stellen. Jetzt ist – in der Grundfläche – ein Quadrat ein Quadrat und ein Kreis ist ein Kreis, auch die Z-Richtung stimmt.

Bilder: Bauteile und Drucker

Die Idee, mich mit Rapid Prototyping zu beschäftigen, kam aus verschiedenen Richtungen: Im letzten Jahr habe ich im Rahmen eines Kurses im Künstlerdorf Neumarkt an der Raab das Schaffen von Bronze-Skulpturen kennen gelernt und Konzepte für algorithmisch erstellte Skulpturen entworfen. Zugleich habe ich im Rahmen meiner Lehrveranstaltung Realtime Processing an der Kunst-UNI Linz Projektideen für Microsoft Kinect entwickelt. Kinect liefert mit einem Infrarot-Sensor 3D-Daten, wird eigentlich für Spiele verwendet, aber ProgrammiererInnen und KünstlerInnen können die 3D-Daten sowie die Gelenks-Koordinaten von Menschen lesen und damit arbeiten. Was liegt näher, als Kinect als 3D-Scanner für Realtime-Skulpturen zu verwenden! Meine dritte Anregung ist das Fach Darstellende Geometrie und Konstruktion an der HTL in Freistadt – für mich sind die gezeichneten und konstruierten Bauteile ebenfalls Skulpturen.

Aktuelle Projekte

Zur Zeit experimentiere ich mit algorithmisch generierten Skulpturen. Dazu verwende ich openSCAD, ein einfaches Programm, in dem man mit Programmierbefehlen geometrische Formen erzeugt, positioniert, schneidet oder verbindet und als Druckmodell speichern kann.

Das Projekt Hexahedra

Eine Anordnung von Würfel wird verallgemeinert, sodass sie keine regelmäßigen geometrischen Formen mehr sind. Flächen werden schief, Kanten sind nicht mehr parallel. Es entstehen architektonische Zufalls-Strukturen.

Das Projekt Strukturen

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Eine zufällig gewählte Anzahl von Kreisbögen, Linien und Rechtecken wird rechtwinkelig in den Raum extrudiert. Die Figuren überlagern und schneiden sich und erinnern mich an Strukturen, wie sie bei historischen Ausgrabungen freigelegt werden. Vielleicht sind es aber auch visionäre Entwürfe von Architektur, deren Zweck sich erst durch Freigabe zur Nutzung erschließt.

Meine Ton-Draht-Skulpturen

Die Ergebnisse meines letzten Skulptur-Workshops habe ich im Artikel Skulptur-Parameter im Raum bereits vorgestellt. Nun habe ich an meinen kleinen Ton-Draht-Skulpturen weitergearbeitet: Durch Bemalen mit Acrylfarben erhalten sie eine holzschnittartige Oberfläche. Die flüchtigen weil ungebrannten Figuren werden weiter zerfallen. Nach entsprechender Weiterbildung in Materialkunde möchte ich ähnliche Modelle in 2-3 m Größe herstellen. Die angekündigte Beschäftigung mit digialen Skulpturen ist noch ausständig.

A. Gormley in Bregenz

Das Kunsthaus Bregenz stellt auf vier Etagen Werke von Antony Gormley aus. Diese Ausstellung sollte man sich nicht entgehen lassen. Antony Gormley, Jahrgang 1950, lebt und arbeitet in London und thematisiert in seinen Arbeiten den menschlichen Körper als Ort der Erinnerung und hinterfragt Fragilität, Natur und Wahrnehmung.

Zwölf verschiedene Positionen – unter anderem kauernd, hockend, sitzend, kniend oder in Trauer gebeugt – bilden in aufsteigender Abfolge vom bodennahen Kauern bis zum aufrechten Stehen mit nach oben gerichtetem Kopf eine Art durcheinandergebrachte Syntax des menschlichen Körpers. Einige der Figuren sind gehängt, die meisten haben Bodenberührung, doch alle befinden sich in Ruhelage und evozieren je nach Ausrichtung unterschiedlichste Lesarten: Nach hinten umgekippt verkörpert zum Beispiel die kniende Figur ein hysterisches Aufbäumen, während die trauernde Figur mit dem gebeugten Haupt sich in einen Akrobaten verwandelt, sobald sie auf den Kopf gestellt ist.
(aus dem Ausstellungskatalog über Critical Mass II, 1995)

Critical Mass II verführt natürlich auch dazu, diese Syntax des menschlichen Körpers nachzuempfinden, was zahlreiche Fotos von BesucherInnen zeigen. Das kann durchaus auch in ernster Haltung geschehen.

Fotogalerie:
Fruit, Body, 1991– 1993, Gusseisen, Luft
Clearing IV, 2005, 6 km 16-swg-Aluminiumrohr
Critical Mass II, 1995

Bei Ausstellungsbesuchen moderner Kunst konnte ich immer wieder erfahren, dass das Aufsichtspersonal nicht richtig instruiert wurde oder die Projekte deutlich missversteht: Clearing IV ist selbstverständlich dazu gedacht, vom Publikum begangen zu werden. Anders sind die unterschiedlichen Raumwirkungen und Raumerfahrungen nicht zu erzielen. In Bregenz wurden wir gemaßregelt und gebeten, uns am Rand der Installation vorbei zu drücken, man könnte ja stolpern und sich verletzen. Moderne Kunst braucht manchmal eine bessere Museumspädagogik. Der Anfang könnte beim Aufsichtspersonal gemacht werden.

Skulptur-Parameter im Raum

Ein mehrtägiger Kurs bei Michael Stadelmann an der Kunst-Fabrik Wien hat mich zur systematischen Beschäftigung mit Skulptur und ihren Parametern geführt. Ein Spiel mit Proportion, Gleichgewicht, Dynamik, Richtungen und Massen. Unsere Modelle haben wir mit Ton und Draht gebaut, die fertigen Modelle wurden im Raum fotografisch inszeniert.

 

Ausgangspunkt waren Aktskizzen vom ersten Halbtag und der Hinweis, dass es nicht um die naturalistische Abbildung des menschlichen Körpers geht. Die Reduktion auf einzelne Körperbereiche ermöglicht das Spiel mit (In)Stabilität und Übertreibung. Interessant war für mich das Experiment mit völlig instabilen Figuren, die sich federnd bewegen und die nur mehr teilweise über die Drahtstruktur hinaus modelliert sind.

 

Bei der Beschäftigung mit dem menschlichen Körper als Skulptur durfte auch die Annäherung an Konzepte der Skulptur-Geschichte nicht fehlen: Kantige Quaderformen in verschiedenen Variationen ausgeführt.

 

Der Workshop hat mir einen weiteren Zugang eröffnet: Die Ton-Draht-Skulptur als flüchtiges Kunstwerk, das nach der fotografischen Abbildung wieder zerstört wird. Es bleibt dann nur das Bild der Skulptur übrig.