Holzschnitt als zeitgenössisches Medium

Im vorliegenden Text versuche ich, anhand meiner aktuellen Serie an Holzschnitten, meine Arbeitsweise zu reflektieren und einige Aspekte zu beschreiben, die meine Holzschnitte als zeitgenössische Kunst positionieren.

Der Holzschnitt als Hochdruckverfahren ist traditionell von klaren Farbflächen und einer starken grafischen Wirkung geprägt. In der Kombination mit Offsetdruck-Farben und der Arbeit mit mehreren Druckplatten eröffnet sich jedoch ein erweitertes Feld von Farbmischungen, Überlagerungen und räumlicher Tiefe, das weit über die klassische Vorstellung des Holzschnitts hinausgeht.

Offsetdruck-Farben

Offsetdruck-Farben zeichnen sich durch ihre hohe Pigmentdichte, Transparenz und feine Abstufbarkeit aus. Im Holzschnitt ermöglichen sie mir ein differenziertes Arbeiten mit lasierenden und deckenden Schichten. Farbmischungen entstehen dabei nicht nur auf der Palette, sondern vor allem im Druckprozess selbst: Durch das Übereinanderdrucken mehrerer Farbschichten reagieren die Farben optisch und physisch miteinander. Transparente Bereiche lassen darunterliegende Töne durchscheinen, verdichten oder verändern sie. So entstehen Zwischenfarben, die sich je nach Licht und Betrachtungsabstand unterschiedlich wahrnehmen lassen.

Einsatz mehrerer Druckplatten

Ein zentrales Element meiner Arbeit ist der Einsatz mehrerer voneinander unabhängiger Druckplatten: Jede Platte trägt eine eigene Struktur, Farbe oder Ebene. Diese Ebenen können exakt übereinander gedruckt werden oder leicht versetzt, sodass Reibungen, Verschiebungen und Spannungen sichtbar bleiben. Auch das Nebeneinandersetzen verschiedener Platten innerhalb eines Bildraums schafft Kontraste zwischen Flächigkeit und Tiefe, zwischen geschlossenen und offenen Bildräumen. Der Druckprozess wird so zu einem dialogischen Vorgang zwischen Planung und Zufall, weil man die Ergebnisse nie genau vorhersehen kann. Jedes Bild ist ein Unikat.

Tiefenwirkung

Die räumliche Tiefenwirkung entsteht nicht durch klassische Perspektive, sondern durch Schichtung, Farbgewicht und Transparenz. Helle, lasierende Schichten treten optisch zurück, während dunklere oder gesättigte Farben nach vorne drängen. Überlagerungen erzeugen Zwischenräume, die wie atmosphärische Zonen wirken. Merkmale der Holzstruktur wie Maserung, Schnittrichtung und Unebenheiten – verstärken den Eindruck von Tiefe und Materialität.

Basisfarbe und Farbmischung

In vielen Arbeiten bildet eine Basisfarbe den Ausgangspunkt der Farbmischungen. Magenta fungiert dabei als energetische, verbindende Farbe, die andere Töne aktiviert und in Schwingung versetzt. Ocker hingegen wirkt erdend und verankert die Komposition im Materiellen und Körperlichen. Beide Farben tragen eine starke emotionale und symbolische Qualität in sich und beeinflussen die Wahrnehmung des gesamten Bildraums. In der vorliegenden Serie verwende ich als Basisfarbe Ocker. Die Farben wirken wärmer und weniger industriell.

… den Prozess des Entstehens nachvollziehen

Durch die Kombination von Holzschnitt, Offsetdruck-Farben und mehrschichtigem Plattendruck entsteht ein komplexer Bildraum, der zwischen Fläche und Tiefe oszilliert. Die Drucke laden dazu ein, nicht nur das Motiv, sofern vorhanden (ich denke eher in linearen und flächigen Strukturen), sondern insbesondere den Prozess des Entstehens nachzuvollziehen und mitzulesen.

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