Aus meinem Foto-Archiv 2018/1-6

Cyanotypie: Totentanz – Lebenstanz

Während der Totentanz oft als Tanz mit dem Tod versinnbildlicht wird, beschreibt Hans Christian Andersen den Totenztanz als Tanz des Lebens: „So alt wie jeder von euch ist, so viele Jahre habe ich schon mit euch getanzt. Jeder hat seine eigenen Touren, und der eine hält den Tanz länger aus als der andere.“ Akteur des Tanzes ist der Mensch und nicht der Tod.

Auch heuer wurde ich wieder vom Theaterzeit-Freistadt-Team Susanna Bihari & Ulf Dückelmann eingeladen, zum aktuellen Theater Jedermanns Schuld und Sühne eine thematisch passende Ausstellung zu gestalten. Auf die Totentanz-Wandreliefs der Kunstgeschichte antworte ich mit einer Serie lebensgroßer Tanzperformance-Ausschnitte, realisiert als Cyanotypie auf Papier.

Cyanotypie ist ein altes Verfahren aus den Anfängen der Fotografie. Man trägt mit einem Pinsel in der Dunkelkammer eine UV-empfindliche Emulsion auf einen Bildträger und belichtet mit dem auf Transparentpapier gedruckten Negativ im Sonnenlicht. Nach ein paar Minuten Wässerung im Wasserbad, in Schwarztee oder Löskaffee ist das Bild entwickelt und fixiert.

Ich zeige hier noch nicht die aktuellen Bilder, da sie erst in Vorbereitung sind. Aber ich kann schon ein paar Motive als Cyanotypie-Näherung (Photoshop, mit Tontrennung) zeigen. Meine ersten Versuche in diese Richtung habe ich früher schon hier veröffentlicht. Die wahrscheinlich 15 Bilder werden auf Papierrolle 200 cm x 50 cm belichtet.

Ausschnitt: 3 Bilder der Serie, 200 x 50 cm

Grafik-Generator: Zeitpunktzustand

Ich zeige hier ein paar aktuelle Bilder aus der Serie Grafik-Generator: Zeitpunktzustand.

Der Entstehungsprozess basiert auf einer Verschränkung analoger und digitaler Techniken: Am Beginn stehen (meist) kleine abstrakte Tusche-Zeichnungen, die fotografiert und in ein von mir entwickeltes Computerprogramm (MaxMspJitter bzw. processing) geladen werden. Mehrere solche Grafiken sowie Fotografien werden als Animation miteinander kombiniert: überlagert, verschoben, gezoomt und in einem (digitalen) Prozess von „Dehnung und Verdichtung“ (http://kunst.standpunkte.at/?s=Dehnung+und+Verdichtung) zueinander in Beziehung gesetzt. Diese Animation läuft zeitbasiert ab, alle Prozesse haben ihr eigenes Tempo, das sich immer wieder verändert.

Je nach Anzahl und Art der Bilder im Datenvorrat entstehen auf diese Weise nahezu unbeschränkt viele neue Möglichkeiten an Grafiken. Wenn ich eine Situation ästhetisch interessant finde, speichere ich diesen Animationszustand als Bild ab und drucke es aus. 12 Bilder, 18 x 30 cm auf 40 x 50 cm. Kleine Auflagen von 1 bis 5 Stück, nummeriert.

Horizontale Streifen

Ein neues Projekt beschäftigt mich seit etwa einem Jahr sehr intensiv. TEPPOO. Das Projekt hat das „Zusammenwachsen“ von Menschen aus dem Orient und Okzident mit Hilfe der Kunst zum Ziel. Medium des Zusammenwachsens ist das Weben, die Beschäftigung mit unterschiedlichen Techniken und Pattern.

Was kann man mit einfachen Tischwebrahmen gestalterisch machen? Ich habe dazu ein Computerprogramm geschrieben, das aus vorhandenen Wollfarben nach Auswahl der gewünschten Farben Zufallsmuster in der klassischen Leinwandbindung erzeugt. Um diese Pattern auch zu weben, habe ich einen Raspberry-PI-betriebenen Webrahmen gebaut. Die Motorensteuerung der einzelnen Prozesse, die beim Weben notwendig sind, geschieht mit Python, PHP und JavaScript über ein lokales Internet-Interface. Die Maschine ist im Prinzip fertig, ein „paar Schrauben“ muss ich noch drehen, damit die Performance den Wunschvorstellungen entspricht.

Hier ist eine Bildergalerie von Zufallspattern, einige sind ganz gelungen. Man kann sich jetzt fragen, unter welchen Bedingungen man etwas als ästhetisch interessant findet. Das haben wir gemeinsam reflektiert: weil es regelmäßig ist, weil es unregelmäßig ist, weil die Farben harmonsich sind, weil die Farben wilde Kontraste haben, weil meine Lieblingsfarbe dominiert, weil das Muster ungewohnt ist.

Die Maschine wird solche Muster zeilenweise einlesen und weben, dokumentiert den Fortschritt und hält für den Farbwechsel an. Zur Zeit weben wir aber vor allem noch manuell.

Siebdruck: Skizzen und Grafik

Diese Siebdrucke zeigen Kombinationen von Akt-Skizzen. Ich kombiniere dabei verschiedene Motive in unterschiedlichen Farben. Motiv ca. 28 x 20 cm auf 42 x 30 cm. Die Siebe erzeuge ich mit einem Thermobelichter.

 

In dieser Serie kombiniere ich die Akt-Skizzen mit abstrakten de-re-konstruierten Motiven meines Grafik-Generators.

 

Siebdruck auf Papier und Leinen